Autismus

Was ist Autismus?

Autismus gehört zu den tiefgreifenden Entwicklungsstörungen.
Typisch für eine autistische Störung sind grundlegende Beeinträchtigungen im Sozialverhalten und in der Kommunikation.
Drei Symptomkomplexe kennzeichnen die Entwicklungsstörung, die als Triade der Beeinträchtigungen bezeichnet wird und unter „Autismus-Spektrum-Störung“ zusammengefasst wird:

  • starke Einschränkung der Fähigkeiten zu sozialer Interaktion,
  • qualitative Beeinträchtigung der verbalen und nonverbalen Kommunikation,
  • eingeschränkte Vorstellungskraft und Verhaltensauffälligkeiten, oft mit sogenannten Stereotypien.

Die Beeinträchtigungen beginnen in den ersten drei Lebensjahren.

Das Autismus-Spektrum wird klassifiziert in:

  • Frühkindlicher Autismus,
  • Asperger-Syndrom,
  • High-functioning-Autismus,
  • Atypischer Autismus.

Eltern und andere Bezugspersonen benötigen ein hohes Maß an Geduld und Einfühlungsvermögen, da die Betroffenen scheinbar wenig Interesse an ihrem Umfeld zeigen.
Menschen mit Autismus benötigen zum Leben und Lernen häufig einen geschützten Rahmen, besondere Beziehungsangebote und individuelle Rückzugsmöglichkeiten. Sie haben aber auch große Fähigkeiten, die erkannt und genutzt werden müssen, um ihnen bei der Bewältigung ihres Lebens zu helfen. Durch eine gezielte Förderung kann viel zur Verbesserung der Lebensqualität beigetragen werden.
Es ist uns wichtig, dem Menschen mit Autismus positive und zuverlässige Beziehungserfahrungen zu ermöglichen. So kann er der Welt offener und sicherer begegnen.

Was sind die Ursachen von Autismus?

Obwohl sich die Forschung seit Jahren mit dieser Entwicklungsstörung befasst, ist bislang noch keine eindeutige Ursache für Autismus bekannt. Es wird angenommen, dass mehrere Faktoren für die Entstehung eine Rolle spielen, insbesondere genetische und neurologische Faktoren, die zu Besonderheiten in der Informations- und Wahrnehmungsverarbeitung führen.

Innensichten von betroffenen Menschen mit Autismus-Spektum-Störung:

Manche Autisten verleben still, in sich gekehrt, ihre Tage, andere toben herum, weil ihnen die Welt durch den Kopf rennt. Manche Autisten lernen es nie, sich richtig zu bedanken, anderen kommen diese Floskeln so trefflich über die Lippen, dass der Eindruck entsteht, sie verstünden, was ihnen da herausrutscht. Manche Autisten lachen gerne und plappern viel, andere sind eher sachlich und einsilbig. Manche Autisten verzweifeln an trübsinnigen Gedanken, andere haben ihre Zelte auf der heiteren Seite des Lebens aufgeschlagen... Das Leben im Autismus ist eine miserable Vorbereitung für das Leben in einer Welt ohne Autismus. Die Höflichkeit hat viele Näpfchen aufgestellt, in die man treten kann. Autisten sind Meister darin, keines auszulassen.
(Axel Brauns: Buntschatten und Fledermäuse. Hamburg, 2002)

Es ist schön anders zu sein. Aber es tut weh, ständig missverstanden zu sein.
(Birger Sellin: Ich will kein inmich mehr sein: Botschaften aus einem autistischen Kerker. Köln, 1993)

Wenn mich jemand fragt, was das Schlimmste an meiner Behinderung ist, dann antworte ich: Dass kein Sinn richtig funktioniert, dass alle Sinne eine Realität vorspielen, die es so nicht gibt.
(Zöller/Zöller: Autistische Menschen beschreiben ihre Störung. In: Bundesverband „Hilfe für das autistische Kind e.V. Tagungsbericht „Mit Autismus leben – Kommunikation und Kooperation. Hamburg, 1998)

Einen Menschen mit Autismus wirklich kennenzulernen und ihn in seinen  Fähigkeiten und Beeinträchtigungen annähernd richtig einzuschätzen, braucht Zeit und Umsicht.
(Jasmine Lee O`Neill: Autismus von innen. Nachrichten aus einer verborgenen Welt. Bern u.a., 2001)